Konzert: Melomania Obernau offeriert bunten Frühlingsstrauß an Melodien mit viel Witz und viel Können
Aschaffenburg Zu den unzähligen Narzissen und Forsythien, die Obernau mit dem lang ersehnten gelben Blütenmeer überzogen, gesellte sich ein weiterer Frühlingsgruß hinzu: Einen bunten Strauß blühender Melodien überreichten die Solisten des Musikvereins Melomania in der voll besetzten Mehrzweckhalle des Stadtteils ihrem Publikum.
Mit der gleichen Vitalität, mit der der Lenz nach zähen Winterwochen auszubrechen pflegt, legte sich die Kapelle ins Zeug, um es hinaus zu posaunen: Die Schönste aller Musen ist die Musik. Längst überwunden sind die Zeiten, in denen die Darbietungen eines Musikvereins als »Dicke-Backen-Musik« belächelt werden durften.
Gelungenes Potpourri
An jene vergangenen Tagen erinnern nur noch die Lederhosen und Dirndl des Bühnenoutfits. Was Dirigent Horst Grimm den dicken Backen der Mannsbilder und den anmutigen Wangen ihrer weiblichen Mitstreiter entlockte, war weit entfernt von dem, was Mozart einst in seinem »Dorfmusikantensextett« trefflich karikierte. Ein gelungenes Potpourri aus dem Schatzkästlein der Musik stand auf dem Programm - von Werken, die ehrfurchtgebietend eine Opuszahl tragen bis hin zu Popklängen der Jetztzeit.
Bereits im ersten Stück glänzte die Holzbläsergruppe, der erstmals auch eine Bassklarinette angehörte. Das stets transparente Klangbild ließ jedes einzelne Instrument klar zur Geltung kommen, vor allem wenn der Flötenton von Karin Bramm mit Klarinetten und Hörnern in Zwiesprache trat. So in der Marinarella-Ouvertüre opus 215 des böhmischen Meisters Julius Fucik, in der unzählige Temposprünge und Tonartwechsel zu meistern waren. Eine Fülle von musikalischen Einfällen birgt dieses Werk. Böse Zungen behaupten, wenn man diese etwas streckt und mehrmals umrührt, würde Andrew Lloyd Webber zehn Musicals daraus kochen.
Dass man dem Briten damit Unrecht tut, bewies seine melodienreichen Suite aus »Das Phantom der Oper«. Die gleiche musikalische Höhe erreichte die mit einem Oscar prämierte Filmmusik von John Barry zu »Der mit dem Wolf tanzt«. Horst Grimm und sein Ensemble trafen hier haargenau die Sprache des großflächigen Hollywood-Sounds und versetzten die Zuhörerschar in Cinemascope-Theater.
Die Melomanen können aber auch Kollegen aus ihren Reihen das musikalische Fundament für virtuose Kabinettstückchen liefern, so Volker Caspers für seine Trompetensoli in »O Mein Papa« und den Hornisten Heinz Ebert und Alexander Maier beim rasanten »Tenorhorn-Bariton-Galopp« aus der Slowakei. Dass derartige Auftritte »da capo« verlangt wurden, lag auf der Hand.
Soloinstrument Schreibmaschine
Das galt auch bei dem Soloinstrument »Schreibmaschine« in Leroy Andersons köstlichem »Typewriter«. Dem musikalischen Ulk standen die Späße des gut aufgelegten Moderatorenteams aus den Reihen der Kapelle in nichts nach. Ihre witzige und ironische Art, die jeweiligen Stücke anzukündigen, genießt in Obernau fast schon Kultstatus.
So hieß es: »Sie versuchen, aus ihren Instrumenten herauszuholen, was irgendwie an Musik erinnert«. Angekündigt wurde damit der Auftritt der Jugendkapelle »Die Schniggers« unter der Leitung von Karin Sebesta. Dieser Seitenhieb verdross den Nachwuchs keineswegs. Mit »We will rock you« brachten die 14 Jungmusiker zwischen 8 und 14 Jahren den ganzen Saal in musikalische Aufruhr.
Die Jugendgruppe »Die Schniggers« unter der Leitung von Karin Sebesta beweist beim Frühlingskonzert der Melomania Obernau ihr Talent.
Bei der vom romantischen Bläsersound begleiteten Ballade »Can You Feel The Love Tonight« von Elton John sang sich der erst neunjährige Andi Netscher erst von seiner Nervosität frei und danach rasch in die Herzen aller Zuhörer.
Zur Pophymne »Heal The World« nahmen die »Großen« den Nachwuchs auf der Bühne fürsorglich in ihre Mitte und sorgten so für den stimmungsvollen Ausklang. Michael Jacksons Hoffnung mag sich zwar in Bezug auf die Welt als Ganzes noch nicht erfüllt haben. »Geheilt« wurden aber durch den Konzertgenuss mit Sicherheit alle Besucher, die nach vielen kalten Wochen bis jetzt noch unter einer Winterdepression gelitten hatten.
Ernst Bäppler, aus dem Main-Echo vom 7.04.2010
Das bronzene Leistungsabzeichen überreicht der Blasmusikverbands-Bezirksvorsitzende Gabriel Autz (rechts) bei der Melomania Obernau an Fabian Weippert, Antonia Wienand, Leonie Schäfer und Eva Schieck (von links). Das Junior-Leistungsabzeichen erhielten Marcel Wüst, Milena Caspers, Tobias Wüst, Philipp Caspers und Nicolas Wüst. Fotos: Peter Katzendobler

