Montag, 21. Mai 2007

Indiana Jones, Morricone und Bizet

»Melomania« Obernau präsentiert in ihrem Frühlingskonzert bekannte Filmmusik

Aschaffenburg. Seit er im Februar seinen Fünfundsiebzigsten feierte, lag die Frage in der Luft: Wann endlich spielt ein heimischer Musikverein eines seiner Paradestücke? John Williams, Haus- und Hofkomponist von Steven Spielberg, ist bekannt aus »Der weiße Hai« oder »Schindlers Liste«. Vier Wochen wurde Elton John 60, und wieder die Frage: »Wann endlich.??« In der gut besuchten Obernauer Mehrzweckhalle gingen beide Wünsche in Erfüllung. Bekannte Filmmusik hatte die »Melomania Obernau« zum Frühlingskonzert im Gepäck - obwohl das Aussehen der im feschen Dirndl und in zünftigen Kniebundhosen auf dem Podium erschienenen Akteure doch eher »Dicke-Backen-Musik« verhieß.

Die Trompeten mit ihren vorwärtsstürmenden Fanfarenrufen zitierten John Williams, den Schöpfer des »Indiana Jones«-Themas. Er war ein zweites Mal vertreten mit Arrangements von Jerry Bocks Musical-Melodien für die Verfilmung von »Anatevka«, wofür er einen seiner vielen Oscars einheimste. Die Fassung für sinfonisches Blasorchester, vor allem das berühmte »Wenn ich einmal reich wär«, begeisterte die Zuhörer genauso wie Elton Johns oscarprämierte Musik aus dem Disneyfilm »König der Löwen«. Die Melomanen rundeten ihren Ausflug in Hollywoods Traumfabrik ab mit einer musikalischen Hommage an Ennio Morricone (»Zwei glorreiche Halunken«, »Spiel mir das Lied vom Tod«).

Als »symphonisches Blasorchester« in Bestform präsentierte sich die Kapelle in Bizets »L?Arlesienne-Suite«. Hier verwebt sich im Finalsatz der hämmernde Tanzrhythmus nach und nach mit dem prägnanten Eingangsthema. Dass aller musikalischen Turbulenz zum Trotz die Themen stets klar akzentuiert vernehmbar sind, bedarf es eines gehörigen Schusses »Musik im Blut« - und eines versierten und hellwachen Dirigenten wie Horst Grimm. Der machte nicht nur am Taktstock, sondern auch als Bläsersolist eine gute Figur, als er mit Volker Caspers im böhmischen »Gustostückerl« ein hinreißendes Trompetenduett hinlegte. Beste virtuose Konkurrenz boten ihnen die Trompeter Ralf und Gerhard Wüst mit »Give us Peace«, einer Fantasie über den Kanon »Dona nobis pacem«.

Auch andere Mitglieder der Kapelle glänzten in solistischen Einlagen, so die noch jugendliche Karin Bramm im Bizet-Stück oder vier übermütige Posaunisten beim Ragtime »Lassus Trombone«. Eine goldene Abendsonne beschien Heinz Eberts Hornsolo in einem irischen Volkslied (mit dem Jeanette Biedermann ihre Karriere startete), und immer wieder betörend klingen die Klarinetten, so die von Kristina Brand und Klaus Wombacher in einem lustigen Stück von Leroy Anderson, sowie die Instrumente von Steffi Mayer und Karin Sebesta in der neckischen »Dudelsackpolka«.

Humorvoll und neckisch waren die Worte der Moderatoren Angela Puschner, Christian Heidemann und Alexander Noe. Die Obernauer stimmten begeistert in das Zugabestück ein: »Thank you for the Music«.
Ernst Bäppler, aus dem Main-Echo vom 03.04.2007